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Kinder sammeln sich erwartungsvoll um den mächtigen Holztisch im Heimatmuseum der Stadt Bernau bei Berlin - nicht jeden Tag haben die 19 aufgeweckten Waldgeister vom Schulhort aus Blankenfelde die Möglichkeit, sich mit bunten Gewändern in Schale zu werfen.
Stolz tänzeln die Mädchen in roten Umhängen als Bernauerinnen und die Jungen in grünen Überwürfen als Hussiten durch das Museum im Steintor. Jedes Jahr besuchen 150 bis 200 Gruppen die angebotenen Führungen mit Bernd Eccarius. Die Hälfte der Besucher sind Schulklassen, davon 80 Prozent aus Berlin, so der Museumsleiter. Eine Wanderung entlang der mittelalterlichen Stadtbefestigung, der Besuch des Heimatmuseums oder die Vorführung historischen Handwerks im Henkerhaus - die allgemeinen und thematischen Rundgänge mit dem Museumsleiter bieten eine vielseitige Darstellung der Stadtgeschichte. Je nach Themenschwerpunkt und Wetterlage dauert die geführte Tour etwa eineinhalb Stunden.
Spannende Geschichten rund um das Ritterwerden, der Alltag vor über 500 Jahren und vieles mehr bekommen die neugierigen Besucher geboten. Wie wird der Ritterschlag vollzogen, welches Mädchen ist heiratsfähig und welche Symbole stehen für einzelne Berufe - Bernd Eccarius hält die Antworten parat. Dass beispielsweise das Hufeisen für den Hufschmied steht, weiß wohl jedes Kind. Ein unscheinbarer Teller an der Wand symbolisiert den Bader, welcher Beruf sich aber dahinter verbirgt - fragende Gesichter weit und breit. „Der Teller diente als Spiegel", stellt Bernd Eccarius in den Raum und wie Schuppen fällt es den Kindern von den Augen - wieder etwas gelernt.
Anschließend wird der 27 Meter hohe Hungerturm erklommen. Schnaufend, aber auch fasziniert genießen die Kinder die freie Sicht auf Bernaus Dächer und Kirchen. In der Ferne, versteckt zwischen grünen Wäldern und Hügeln, zeigt sich sogar der Berliner Fernsehturm - genaues Hinschauen ist gefragt. Um das Abenteuerprogramm abzurunden, marschieren die Kinder wieder in das Gebäudeinnere. Auf zum Armbrustschießen - schließlich muss der beste Schütze gekürt werden. Jungen gegen Mädchen, das Ziel ist eine zehn Meter entfernte Scheibe. Der Eifer ist geweckt, jeder gibt sein Bestes, die Mädchen gewinnen knapp und Jubel erfüllt den Schauplatz. Stolze Gesichter zaubern auch Bernd Eccarius ein Lächeln ins Gesicht.
Nach der sportlichen Ertüchtigung steht abschließend ein kleiner Spaziergang entlang der alten Bernauer Stadtmauer auf dem Plan. Nicht nur historische Fakten werden vermittelt, vielmehr halten Eccarius und die Kinder Ausschau nach Material für kleine Trillerpfeifen. Lindenholz, Eberesche und Weide seien besonders für den Bau einer Pfeife geeignet, sagt der Museumsleiter. Nachdem die Rinde abgeklopft ist und kleine Einritzungen in das Holz getätigt sind, ertönt ein schrilles Trillern im Bernauer Park. Die Kinder reißen sich um die heißbegehrten Stücke.
„Geschichte und Geschichten als Erlebnis erfahrbar zu machen und Spaß am Lernen zu vermitteln. Die Besucher sollen die eigene Heimat und Kultur kennenlernen. Denn nur wer seine eigene Kultur zu verstehen weiß, wird sich ebenso in fremden Kulturen zurechtfinden", erläutert der Museumsleiter seine Ambition. Auf seinen Museums- und Stadtführungen möchte er Begeisterung für 775 Jahre Stadtgeschichte bei Groß und Klein wecken. Schüler, Studenten sowie Erwachsene werden gleichermaßen in den Bann gezogen.
Folgende Touren mit dem Museumsleiter werden angeboten:
Mittelalterliche Stadtbefestigung - Besuch im Museum Steintor Führung und Anprobe mittelalterlicher Gewänder, Wandern entlang der historischen Stadtbefestigungsanlage, Baumkunde und Herstellen einer kleinen Pfeife; Preis für Gruppen ab 5 Personen 25 € zzgl. Museumseintritt (2 € bzw. 1 € ermäßigt)
Mittelalterliche Gerichtsbarkeit - Besuch im Museum Henkerhaus Vorführung des Handwerkszeugs des früheren Hausherren, Besichtigung der Schwarzen Küche, Wanderung über die Wallanlage und Besichtigung historischer Plätze; Preis für Gruppen ab 5 Personen 25 € zzgl. Museumseintritt (1 € bzw. 0,50 € ermäßigt)
Buchungen über: Stadt Bernau bei Berlin, Museumsverwaltung Breitscheidstraße 43, 16321 Bernau bei Berlin Tel. (03338) 70 04 96 www.bernau.de E-Mail: museum@bernau-bei-berlin.de
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